Verfasser:
Rainer Ott
Fachbuchautor („Mit
Immobilien mehr verdienen. Die Sachwertstrategie für das neue
Jahrtausend“),
Vorstand der "Ott Investment AG", Schlüsselfeld, und
1. Vorsitzender des Kapitalanlagenforums und
ImmoExpose24
Zitat von
Rainer Ott:
„In unserer Zeit, die von einer rasanten Dynamik in
allen Bereichen des Alltages geprägt ist, brauchen wir
die Immobilie wie den festen Boden unter den Füßen.“
Spricht man über den geschlossenen Immobilienfonds,
muss man im gleichen Atemzug den offenen Immobilienfonds
und Immobilienaktien erwähnen. Dies sind indirekte
Investitionen in
Immobilien. Diese Form der
Immobilieninvestition unterscheidet sich im Vergleich
zum direkten Immobilienkauf darin, dass größere
Immobilienobjekte gekauft werden können. Beim
Fondsgedanken spielt es vordergründig keine Rolle, ob in
Gewerbeimmobilien, Wohnimmobilien oder so genannte
Spezialimmobilien investiert wird. Die Unterscheidung
wird aber sehr relevant, beachtet man die Risiko- und
Ertragsstruktur der einzelnen Immobiliensektoren.
In der Vergangenheit war u. a. ein wesentliches
Kriterium für eine Investition in geschlossene
Immobilienfonds die hohe Verlustzuweisung. Zum heutigen
Zeitpunkt und für die Zukunft sind andere Faktoren
entscheidender: Aufgrund der immer weniger relevanten
Steuervorteile in diesem Marktsegment, gewinnt die
Rentabilität eine größere Rolle. Wobei ich lieber von
Ertrag oder der Höhe der Ausschüttung als von Rendite
spreche. Ein anderer entscheidender Faktor ist die
relative Sicherheit, die ein Investment in dieser Form
darstellt. Dies wird in Kundengesprächen immer
offensichtlicher, dass der Anleger nicht nur auf eine
hohe Steuerrückerstattung schielt, sondern mehr und mehr
auf den Sinn und die Sicherheit der Investition. Das
heißt: Welches Investment sichert dem Anleger bei
kalkulierbarem Risiko zumindest den Rückfluss seines
Kapitals und beschert darüber hinaus mit großer
Wahrscheinlichkeit schöne Gewinne? Neben sämtlichen
alternativen Fonds – wie Medienfonds,
Schiffsbeteiligungen, Energiefonds usw. – gehört der
geschlossene Immobilienfonds zu den Klassikern. Und
Klassiker haben mittel- bis langfristig immer
Konjunktur. Auch wenn das Stimmungsbarometer sich
gelegentlich etwas abkühlt.
Wenn über die Zukunft von Immobilien diskutiert wird,
stellt sich die Frage, ob neue Immobilien überhaupt
gebraucht werden? Wenn ja, in welchem Land? Ist der
Immobilienstandort Deutschland noch attraktiv oder
sollte der Investor nur noch dem ausländischen Markt
Aufmerksamkeit schenken? Wird der Trend mehr in Richtung
Gewerbeimmobilie gehen? Wie wichtig sind
Sozialimmobilien? Haben sie Zukunft?
Aber beleuchten wir die Thematik von vorne.
Wohnimmobilien (Home) – egal, ob als Direktinvestition oder als
Fondskonstruktion – werden immer ihren Markt haben. Auch
wenn in der Fachpresse gelegentlich zu lesen ist, dass
die klassische Wohnimmobilie als Kapitalanlage in der
Zukunft nicht mehr die Rolle spielt, wie in der
Vergangenheit. Als einziges Argument wird aufgeführt,
dass in der Republik immer weniger Menschen wohnen. Das
ist zwar richtig, aber den Bedarf von Wohnimmobilien
darf man nicht nur auf die Anzahl der Einwohner eines
Landes reduzieren. Wesentlich entscheidender ist dabei,
dass wir eine Zunahme nach mehr und größeren Wohnflächen
haben (siehe statistisches Bundesamt und eigene
Recherchen). Wir können hier von Anspruchsinflation
sprechen. Hinzu kommt, dass die Zahl der privaten
Haushalte steigt, obwohl die Bevölkerungszahl abnimmt.
Wir verzeichnen immer mehr Singlehaushalte. Diese
Entwicklung verdanken wir längeren Studienzeiten und
vermehrten Ehescheidungen. Ebenso spielt die höhere
Lebenserwartung eine beachtliche Rolle. Ein weiterer
Faktor ist der Wegfall bestehender Immobilien sowie bei
rückläufiger Baukonjunktur. Wohnraum ist also gefragt.
Preissteigerungen sind vorhersehbar. Mittlerweile
herrscht an diversen Standorten wieder akuter
Wohnraummangel (Quelle: „Mit Immobilien mehr
verdienen. Die Sachwertstrategie für das neue
Jahrtausend“).
Wende auf den Büromärkten in Sicht, so der Titel eines
Artikels in der Welt vom November 2004. In den ersten
drei Quartalen des Jahres 2004 registrierte die IVG
Immobilien AG steigende Vermietungsansätze in mehreren
Bürometropolen. Teilweise in zweistelligen Raten. Durch
ein Nachgeben der Fertigstellungszahlen, führt dies
selbst bei einem stabilen Vermietungsvolumen in den
nächsten Jahren zu einem kontinuierlichen Abbau des
Leerstands. Deutschland scheint bei dieser erfreulichen
Entwicklung aber Schlusslicht zu sein (IVG
Immobilienbarometer, der gemeinsame Büromarktreport von
IVG und der Immobilienberatung Cushman & Wakefield
Healey & Baker,CWHB). Untersucht wurden 21
Immobilienstandorte.
In den ersten drei Quartalen 2004 stiegen die
Vermietungsabschlüsse gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die westeuropäischen Städte legten um 23 Prozent zu, die
mittel- und osteuropäischen um 34 Prozent. Nur gewisse
Metropolen verzeichneten noch Rückgänge.
Ein Trend im Bereich geschlossener Immobilienfonds ist
die Vermarktung von Sozialimmobilien.
Hier werden
die
letzten,
echten Wachstumsmärkte erschlossen. Unabhängig von der
Konjunktur. Und doch mit langfristig hohen
Ertragschancen. Dabei meine ich nicht in erster Linie
das „Betreute Wohnen“, sondern die Pflegeheime.
In Pflegeheimen
erhalten pflegebedürftige Menschen Unterkunft,
Verpflegung, Betreuung und Pflege, was stationäre
Pflegeheime grundsätzlich von anderen Formen des
seniorengerechten Wohnens unterscheidet. Wie zum
Beispiel betreutes Wohnen, Seniorenstifte,
Service-Wohnen oder Altenheime. Die Entscheidung zum
Umzug in ein Pflegeheim ergibt sich meist durch eine
gesundheitliche Notwendigkeit.
Die demografische
Entwicklung macht deutlich, dass der Bedarf an
Pflegeplätzen in Zukunft stark steigen wird: Zu Beginn
des 20. Jahrhunderts lebten in Deutschland 4,4 Millionen
Menschen von 60 Jahren aufwärts - heute sind es bereits
16 Millionen, also etwa ein Fünftel der Bevölkerung. Im
Jahr 2030 wird es etwa ein Drittel der Bevölkerung sein.
Ältere Menschen –
insbesondere Frauen – leben immer häufiger allein. Bis
2030 werden voraussichtlich etwa 13,2 Millionen ältere
Menschen alleine leben. Auf Grund der Alterspyramide und
der sinkenden Anzahl von Kindern je Familie, können die
Familien sich immer weniger selbst um die ältere
Generation kümmern.
Gleichzeitig ist
die durchschnittliche Lebenserwartung während der
letzten 100 Jahre beträchtlich gestiegen.
Der steigende
Bedarf an stationären Pflegeeinrichtungen und die im
Gegensatz zu allen anderen Formen des Seniorenwohnens
ausgezeichnete finanzielle Absicherung, unter anderem
durch staatliche Refinanzierung, machen dieses spezielle
Marktsegment zu einem der interessantesten Anlagemärkte
unserer Zeit.
Die Studie zeigt,
dass bis zum Jahr 2050 die Zahl der Pflegebedürftigen
auf 4,1 Mio. steigt (Quelle: Gutachten des DIW,
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin).
Ebenfalls ein interessantes Marktsegment mit Zukunft
sind die so genannten Kommunalfonds. Gerade im Hinblick
auf die schlechte finanzielle Lage der Kommunen. Die
monetäre Situation der Gemeinden wird sich aus heutiger
Sicht auch in den nächsten Jahren nicht bessern. Das ist
die Chance für den Anleger, in öffentliche Gebäude zu
investieren, wie zum Beispiel Büchereien, Rathäuser,
Schwimmhallen, Gerichte usw. Das Interessante bei diesen
Objekten sind nicht die Gebäude an sich, sondern der
Mietvertrag, der meist über 30 Jahre abgeschlossen wird.
Apropos Trend. In den vergangenen zwei Jahren wurden
verstärkt Gewerbeimmobilien von großen Unternehmen wie
beispielsweise der BMW AG verkauft und zurückgemietet.
Stichwort: sale-and-leas-back. Die Unternehmen schaffen
sich dadurch erhebliche Liquidität. Diese
„Zwangssituation“ kommt unter Umständen den Anlegern
zugute.
Fazit und Wunsch:
Ob
der Trend der deutschen Kapitalanleger anhält, die in
den vergangenen Jahren verstärkt in ausländische
Immobilienfonds Geld einbezahlt haben (allen voran USA,
Holland, neuerdings Ostländer und Österreich), wird sich
zeigen. Vordergründig war das Motiv die höhere
Ausschüttung. Der heimische Markt ist trotz allen
Unkenrufen interessant und für die Zukunft gerüstet.
Fondskonzepte, die günstig eingekaufte Immobilien, ein
professionelles Management, finanzstarke Mieter,
hervorragende Standorte und einem passendem
Chancen-Risiken-Mix beinhalten, werden dem Anleger
Freude machen und dem Vertrieb gute Umsätze bescheren.
Die Tendenz, die Anlageentscheidung nicht nur nach der
Steuerrückerstattung zu treffen, sondern die
Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund zu stellen, ist
richtig.
Wünschenswert wäre bei den geschlossenen Immobilienfonds
eine höhere Fungibilität. Dies würde den Zeitgeist
besser treffen. Eine Anlage mit einer Laufzeit von mehr
als 20 Jahren ist immer schwieriger zu vermitteln,
obwohl eine lange Laufzeit sehr sinnvoll im Hinblick auf
die katastrophale Rentensituation ist (vorausgesetzt, es
handelt sich um ein seriös konzipiertes Investment). Die
kürzeren Laufzeiten setzen aber einen funktionierenden
Zweitmarkt voraus. Der Marktführer für den Vertrieb von
Pflegeheimen hat mittlerweile eine Fondskonstruktion
entwickelt, die es den Gesellschaftern erlaubt, nach 12
Jahren und einem Tag das Investment komplett zu
verkaufen. Dieses Konzept wird sehr gut vom Markt
aufgenommen. Sowohl von Anlegerseite als auch von der
Seite des Vertriebes. Durch steigende Transparenz, eine
bessere Fungibilität und zukunftsorientierte Produkte,
hat der geschlossene Immobilienfonds sehr gute Chancen
für die Zukunft, seine Vormachtstellung zurückzuerobern.
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