Steigendes Alterssicherungskapital bringt Immobilien nach vorne
Rainer Ott, Experte (Buchrezensionen in Fuchsbriefe, Platowbrief etc.) für strategische Immobilienfragen, greift interessante gesellschaftliche Trends auf und gibt Ausblicke für den Immobilienmarkt.
Die in Gang gekommene Rentendiskussion öffnet die Aufmerksamkeit der deutschen Bevölkerung für die private Altersvorsorge. Dies betrifft vor allem die geburtenreichen Jahrgänge der Baby-Boomer-Generation. Es wird also zukünftig mehr Geld in die Kassen von Versicherungen, Investmentfondsgesellschaften und Immobilienanbietern fließen, denn genau das sind die klassischen und gefragten Partner für die private Altersvorsorge.
Bei den Versicherern dominiert die fondsgebundene Lebensversicherung ebenso wie Renten- und Pensionsversicherungen, in diesen Bereichen konnte die deutsche Versicherungswirtschaft von 1998 bis 1999 einen enormen Anstieg verzeichnen, auch die Bausparkassen verzeichnen in 2001 ein wachsendes Neugeschäft, was die Kassen auf eine steigende Nachfrage nach Immobilien zurückführen und Investmentfondsgesellschaften partizipieren seit Jahren von den Kapitalanlegern, wenngleich risikoreiche Aktienfonds es in Zukunft schwer haben dürften neue Anleger zu finden. Denn die sind sicherheits- und renditebewusst, stellen aber die Sicherheit vor die Rendite, was der Kapitalmarkt in den nächsten Jahren zu spüren bekommen wird.
Es gibt eine Verschiebung zu sicherheitsorientierten Investments. Auch für die Immobileinbranche zeigen sich positive Impulse, zwei Drittel der deutschen Bevölkerung sehen das Eigenheim als beste Absicherung für das eigene Alter an. Der Wohnbau, in den letzten Jahren mit Minuswachstum belegt, könnte damit einen neuen Aufschwung erlangen – und zwar nachhaltig, denn auch andere Trends weisen darauf hin, dass die Immobilie wieder zum gefragten Investment heranreift.
Die lang anhaltende Baisse am Immobilienmarkt hat das Angebot kontinuierlich verringert, die Zahl der Baugenehmigungen ging seit 1996 rapide zurück, andererseits steigen Wohnflächenansprüche und die Zahl der Singlehaushalte. Beanspruchte 1960 ein Einwohner durchschnittlich 30 qm Wohnfläche, so sind es in 2000 bereits 38 qm und im Jahr 2005 werden es 42 qm sein. Dasselbe gilt für die Entwicklung der Singlehaushalte: Heute wird ihr Anteil auf etwa 22% geschätzt, im Jahr 2010 sollen es über 30% sein.
Diese Indikatoren werden den Immobilienmarkt wieder anheizen, der nur mit einem moderaten Angebot reagieren kann, das heißt volkswirtschaftlich nichts anderes, als dass die Preise schnell steigen werden. Auch die Inflation zieht wieder kräftig an, denn das Wirtschaftswachstum in Deutschland verlangsamt sich, die Staatsschulden steigen. Zudem naht die endgültige Einführung des Euro, die zunächst nichts anders bedeutet, als dass Kaufkraftverluste allein aus den Rundungseffekten der Umrechnung die Währung belasten und Geldvermögen schwächen werden.
Eine wieder aufstrebende US-Konjunktur brächte dabei den Euro zu Gunsten des Dollars weiter unter Druck, was zur Folge hat, dass mit weiteren Kapitalexporten in die USA oder nach Asien zu rechnen ist. Diese Faktoren schwächen natürlich nachhaltig die europäische Währung und führen zu Entwertungseffekten, die sich positiv auf die Immobilienwertentwicklung auswirken könnten. Der zusätzliche stärkere Liquiditätszufluss des nun wachsenden privaten Alterssicherungskapitals führt zu einer wachsenden Investitionstätigkeit, wovon auch die Bauwirtschaft profitieren wird. Ein weiteres Signal für Preissteigerungen am Immobilienmarkt.
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